Kasse Dich furz.

fassedichkurz

Es ist eine Binsenweisheit, dass das Erstellen eines Textbuches aus einem einfachen Teil und einem schweren besteht. Der einfache ist das Schreiben. Der schwere ist das Umschreiben.

Der einfache Teil ist vorletzte Woche beendet worden: es gibt ein komplettes Textbuch. Mit einer famosen Story, überraschenden Wendungen, sorgfältig ausgearbeiteten Charakteren, raffiniert verwobenen Handlungssträngen und vielen wunderbaren Songs.

Mit anderen Worten: viel zu lang, viel zu kompliziert zu verstehen, und viel zu schwer zu spielen. Ein ganz normales Textbuch am Ende des Teil eins, also.

Die letzten beiden Wochen bestanden also aus brutalem Kürzen, Streichen und Vereinfachen von Handlung, Szenen, Dialogen und Songs. Da dies ein schmerzhafter Prozess ist, bediene ich mich einer Technik, die ich vom Songschreiben her kenne: zunächst völlig emotionslos eine passende Grundstruktur definieren, dann alles rigoros aus dem Text entfernen, das nicht unbedingt für diese Struktur notwendig ist. Und zwar so lange, bis die notwendige Einfachheit und Zeitdauer erreicht ist.  Ein, zwei Tage sacken lassen, und dann die wirklich schönen Textpassagen so kompakt wie möglich wieder einarbeiten. Mit etwas Glück kommt am Ende ein viel schöneres Textbuch raus, obwohl (oder gerade weil) es eine halbe Stunde kürzer ist.

Und die Passagen, Personen und Songs, um die es wirklich schade ist, werden in einer „Szenenhalde“ aufbewahrt. Wer weiß, vielleicht gibt’s ja einen Director’s Cut. Oder einen zweiten Teil. Oder ein Hörspiel. Oder einen Hollywood-Blockbuster. Man wird ja träumen dürfen.

Bild: „Fassdichkurz“ von Richardfabi aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Das Shooting vom Shooting

Heute ist Fototermin für einen Plakatentwurf. Ich habe mich entschieden, insgesamt mit dem Ankündigungstext und den Bildmotiven schon ein bisschen von der Handlung zu „spoilern“. Also, jetzt wisst ihr’s: der Weihnachtsmann ist in Wirklichkeit ein Pirat. Zumindest in der Phantasie eines kleinen Jungen.

Statt etwas Abstraktem (es handelt sich ja um ein Stück für Kinder) möchte ich den Piratenweihnachtsmann auf seinem Schiff auf dem Plakat haben. Für eine spielerische Darstellung bietet sich mein Playmobil-Schiff aus den 70er-Jahren an, ergänzt um eine Custom-Figur:

shootingshooting

Noch ein wenig photoshoppen, und so haben wir ein vorläufiges Motiv auf der Festplatte:

weissbart-test-3

Auf die Idee zu diesem Motiv kam ich beim Durchblättern eines alten Fotoalbums, als ich mein (damals) neues Kameraobjektiv für Makroaufnahmen ausprobierte, und zufällig mein Sohn durchs Bild lief:

der-kapitaen

Fast besetzt

Wow! Es ist noch ein gutes halbes Jahr hin, und wir haben bereits sieben von neun Rollen wirklich optimal besetzt. Es hat zwar Absagen gegeben von Schauspielern, die ich sehr gerne dabeigehabt hätte, aber wir haben ja früher auch nicht alles bekommen was auf dem Wunschzettel stand. Ich habe bis heute beispielsweise kein Bonanzarad.

Also, zwei Rollen stehen also noch aus, davon eine Hauptrolle. Und ein Musiker.

Ich bin guter Dinge!   🙂

He lücht!

In dem Theaterstück wird es das klassische Rezitativ geben, also einen Erzähler, der die Szenen gesanglich miteinander verbindet. In unserem Piratenstück ist dies aber mitnichten der übliche unerträgliche Jammertenor wie aus dem Weihnachtsoratorium, sondern ein seebäriger „He Lücht“ – der traditionelle Hamburger Hafenrundfahrtsführer, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

In schönster und schmachtigster Shantyballade lügt der Barkassenführer sich durch das Abendprogramm, in steter schwelender Zwietracht mit seinem schlechtbezahlten Backgroundchor.

Vier der vermutlich sechs Rezitative sind bereits im Kasten!

rollinghome

Und jetzt alle: Rolling home, rolling home!

Master of Puppets

In „Unter aller Kanone“ wird es neben den Schauspielern auch eine Handpuppe geben. Vermutlich werden wir die Puppe selbst bauen, da sie etwas „speziell“ ist. Unser Anspruch ist, die Puppe lebendig und charaktervoll zu spielen. Es sind ja noch ein paar Monate hin, aber wir hatten uns gestern schon mal verabredet, und waren im Schmidt’s Tivoli bei dem wunderbaren Puppenspieler Martin Reinl, um mal zu spicken, wie der Profi es macht. Es war ein wunderbarer Abend, und wir haben uns viel abgeguckt!

Musik, zwo drei!

Der erste vollständige Song hat den Summenausgang des Rechners verlassen: ein 70s-Disco-Titel mit dem Titel „Santa klaut’s“. Damit stellt der Weihnachtsmann sich vor; in der klassischen Oper trüge dieses Stück also die Bezeichnung „Die Arie des Weihnachtsmanns“, was herrlich daneben klingt.

cakewalk

Ein bisschen schwer zu singen ist das gute Stück ja; ich hoffe, ich bekomme dafür nicht die Rute vom Weihnachtsmann.

Wie man aus sauberer Bergluft furchtbare Töne macht

Was für Musik passt zu einem Piratenstück? Klar, epochale dramatische Filmmusiken für Doppelorchester. Was noch? Ebenso logisch: Shanties und Seemannslieder! Und worauf spielt man die? Natürlich auf dem Schifferklavier. Auch genannt Quetschkommode, Akkordeon, oder eben „Gerät zur Umwandlung sauberer Bergluft in furchtbare Töne“.

Ich werde mir also in den folgenden Monaten vermutlich die Bedienung dieses Gerätes aneignen müssen. Glücklicherweise besitze ich ein Akkordeon, muss mir also keines kaufen. (Gute Güte, für die Dinger kann man schnell einen Tausender hinlegen!) Es ist zwar nur ein kleines — das alte Schülerinstrument meines Bruders –, aber für Seemanslieder wird es reichen.

akkordeon
Das Akkordeon ist nicht unbedingt das beliebteste aller Instrumente, aber immerhin ist es auch kein Banjo oder Dudelsack. Außerdem bin ich mit Shanties großgeworden, da ich aus einer Seemannsfamilie stamme, und berufsbedingt zuhause einige Schallplatten mit Titeln wie „Die besten Shanties der sieben Meere“ herumlagen.

Also, in die Tasten gegriffen, und dann gnade uns Neptun!

Sekundärliteratur

Natürlich gibt es im Internet genügend Literatur über Piraten. Aber aus einem völlig zerlesenen Second-Hand-Buch macht es einfach mehr Spaß. Wenn jetzt die Herausgeber noch vom seniorenunfreundlichen 6-pt-Schriftdruck abgesehen hätten, würde ich auch mehr als zwei Seiten pro Abend durchhalten. Aber, wie der Brite sagt: Worse things happen at sea. Arr!

piratenbuch

Happy birthday, Projektblog!

Man soll ja jeden Tag etwas zum ersten Mal tun. Ich habe mich entschlossen, ein Theaterstück zu schreiben, ein Weihnachtsmärchen. Praktischerweise steht das aufführende Theater bereits fest. Die Uraufführung wird gegen Ende November 2015 im Theater Wedel sein.

Da ich eine eigene Theaterproduktion in dieser Größenordnung noch nicht erlebt habe, möchte ich im Stile eines klassischen Projektblogs über den Fortgang berichten. Ich denke, auf dem Weg lauern viele Herausforderungen, die zweifelsohne irgendwie gelöst werden, und vielleicht erspare ich durch meine Ausführungen anderen Autoren ein paar Fallstricke.

Also, los geht’s!